Bayerischer Verdienstorden 2016

So berichtete die Bayerische Rundschau:

Birgitt Rodler, Gründerin und Geschäftsführerin der AFW Creativ Stickerei, wurde am Mittwoch den 13.07.2016 von Ministerpräsident Seehofer mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.Dies geht aus einer Pressemitteilung der Staatskanzlei hervor.

Nach fast 60-jähriger Firmengeschichte mit handwerklich hochwertigen Stickereierzeugnissen musste der langjährige Arbeitgeber von Birgitt Rodler 2008 Insolvenz anmelden, informierte der Ministerpräsident in seiner Laudatio. Dabei hätten sie und über 40 weitere Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren. In vielen Fällen sei die Existenz ganzer Familien bedroht.

Bereits eine Woche nach dem "Aus" gründete Birgitt Rodler zusammen mit ihrer Schwester, einer Freundin und einem Geschäftsführer das neue Unternehmen AFW Creativ Stickerei. Sie, so Seehofer, sei die treibende Kraft gewesen, die es mit Beharrlichkeit geschafft habe, Aufträge von Großkunden ihres ehemaligen Arbeitgebers zurückzugewinnen. Um die Aufträge abwickeln zu können, wurde mit wenigen Maschinen in der heimischen Garage bis an die Grenze der körperlichen Belastbarkeit gearbeitet.

Mit Zunahme des Auftragsvolumens sei das Unternehmen in größere Räume umgezogen und habe zusätzliche Mitarbeiterinnen, vornehmlich ehemalige Kolleginnen, einstellen können. 2009 habe die AFW Creativ Stickerei offiziell die Produktion aufgenommen.

"Obwohl kaum Geld für Werbung und Marketing vorhanden war, waren die Produkte der AFW Creativ Stickerei bald weltbekannt. Unter anderem fertigen die 28 Mitarbeiter die Wimpel des Deutschen-Fußball-Bundes, hochwertige Karnevalsmützen und handbestickte Fahnen", erklärte der Ministerpräsident in der Feierstunde. "Frau Rodler ist in ihrer oberfränkischen Heimat verwurzelt. Ihr Erfolgsrezept sind Motivation, Sparsamkeit und ein sehr persönliches Verhältnis zu ihren Kunden. In ihrem Betrieb herrscht eine familiäre Stimmung, sie selbst sieht sich als Vorbild für ihre Mitarbeiterinnen", betonte er weiter.
Sehr verbunden sei sie dem örtlichen Sportverein, in dem sie seit über 20 Jahren Mitglied sei. Auch in der Theatergruppe, deren Leitung sie seit mehr als zehn Jahren innehabe, engagiere sie sich als begeisterte Laienschauspielerin und kümmere sich um die Organisation und das Programm.

Birgitt Rodler führe ihren Betrieb mit großem Sachverstand, Tatkraft und Weitblick - und vor allem mit Herzlichkeit. "Ihr ist es zu verdanken, dass durch die Neugründung des Unternehmens im Krisenjahr 2009 insgesamt 20 Arbeitsplätze geschaffen wurden. Im strukturschwachen ländlichen Raum hat sie durch Mut, Zuversicht und enormen Einsatz eine Leistung vollbracht, die für ganz Oberfranken signalhafte Wirkung besitzt. Sie hat sich durch ihre außergewöhnliche Leistung hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern und seine Bürgerinnen und Bürger erworben. Für diesen unermüdlichen Einsatz wird sie mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet."

Birgitt Rodler erklärte am Donnerstag, sie sei selbst überrascht gewesen, dass sie diese besondere Auszeichnung erhalten habe. Vorgeschlagen hatte sie die Regierung von Oberfranken.

"Das war eines meiner schönsten Erlebnisse von der Firma her." Interessant sei auch gewesen, bei der Feierstunde "viele hochkarätige Leute" zu sehen. Insgesamt waren 45 Persönlichkeiten ausgezeichnet worden, darunter Eva Wagner-Pasquier, die ehemalige Leiterin der Bayreuther Festspiele und BR-Moderatorin Sabine Sauer.
Birgitt Rodler indes sieht sich durch die Auszeichnung bestärkt in ihrer Firmenphilosophie, die geprägt sei von Herzlichkeit und einem besonderen Umgang mit den Kunden.

Großer Preis des Mittelstandes 2016

Wir haben die Jurystufe des Wettbewerbs "Großer Preis des Mittelstandes" mit Erfolg erreicht. Robert Knitt überrreichte unseren Damen die entsprechende Urkunde.

Bayerischer Mittelstandspreis 2015

Eine Säule der Wirtschaft

Unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Staatsministerin Ilse Aigner wurden am 16. November 2015 im Maximilianeum vor rund 200 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik und den Medien die vier Preisträger aus den Bereichen

  • Produzierendes/Verarbeitendes Gewerbe,
  • Handel,
  • Handwerk und
  • Dienstleistungen

bei der Verleihung des neunten Bayerischen Mittelstandspreises gekürt.

Jedes rechtlich selbständige Unternehmen mit dem Hauptsitz im Freistaat Bayern - welches bereits mehr als drei Jahre erfolgreich am Markt besteht -  konnte sich der Jury stellen und musste einen entsprechenden Fragebogen ausfüllen.

 

Der Fragebogen enthielt sechs Rubriken (Kundenorientierung, Personal, Innovation, Ressourceneinsparung, Internationalisierung sowie soziales und gesellschaftliches Engagement). Um zu gewinnen, kann es genügen, in nur einer Rubrik etwas Außergewöhnliches zu leisten. 

 

Die AFW Creativ-Stickerei GmbH war in der Rubrik "Handwerk" nominiert. Leider hat es dieses Jahr nicht zu einer Auszeichnung gereicht - dennoch sind wir stolz auf unsere bisher erreichten unternehmerischen Leistungen.

Geschäftsführerin Birgit Rodler nahm zusammen mit Ihrem Mitarbeiter Manuel Wich die Nominierungsurkunde aus den Händen vom Präsidenten des EWiF-Bayern Hans Spitzner entgegegen.

Bild: EWiF
Bild: EWiF

CSRegio-Initiative für den Mittelstand 2015

Großer Preis des Mittelstandes 2013

Laudatio zur Urkundenverleihung

Man braucht Courage. Man braucht die gewisse Portion Rebellion. Man braucht jahrzehntelange Erfahrung. Aber vor allem braucht man gnadenlos handwerkliches Können, gepaart mit jeder Menge Mut. Man braucht Überzeugungsgabe. Man braucht die Kreativität nicht nur im Firmenlogo sondern auch im Kopf. Die namhaften Kunden hat man nämlich schon. Die besondere Nische hat man auch. Die Stärken, das also, was einen von Mitbewerbern unterscheidet, hat man nämlich schon längst. Und man braucht die besonderen Chefs. Die hat man auch. Sie stammen aus einer Zeit, als sie noch selbst in der Produktion tätig waren. Damals, vor dem Bruch. Nach dem Bruch, waren es Belegschaftsmitglieder selbst, die das Unternehmen mit den guten Voraussetzungen nicht aufgeben wollten. Wenn das mal keine Geschichte ist. Es ist die Geschichte der AFW Creative Stickerei GmbH in Marktleugast. Tätig für den Karneval, die Vereine, das Gewerbe überhaupt und den Deutschen Fußball-Bund insbesondere.

Handwerkstag 2013

Die AFW Creativ-Stickerei GmbH erhält den Staatspreis 2013 und wird als regionales Vorbild für eine familienbewusste Arbeitswelt ala Best-Practice-Unternehmen ausgezeichnet.

Im Rahmen des Bayerischen Handwerkstages 2013 in Coburg wurden die Landessieger des Praktischen Leistungswettbewerbes geehrt.

Birgitt Rodler nahm als Ehrengast an dieser Veranstaltung teil.

Bayerischer Staatspreis "Sieger 2013"

Die AFW Creativ-Stickerei GmbH erhält den Staatspreis 2013 und wird als regionales Vorbild für eine familienbewusste Arbeitswelt ala Best-Practice-Unternehmen ausgezeichnet.

Auszeichnung für nachhaltiges Engagement mit beispielgebenden Initiativen und Projekten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie

so berichtete die Presse:

Nürnberg, 22.03.2013

Vor zehn Jahren wurde die Initiative "Familienbewusste Personalpolitik in der Europäischen Metropolregion Nürnberg" ins Leben gerufen, der mittlerweile rund 500 Arbeitgeber angehören. Getragen wird die Initiative von der IHK Nürnberg für Mittelfranken, Handwerkskammer für Mittelfranken, Bündnis für Familie Nürnberg und Agentur für Arbeit Nürnberg. Das Netzwerk fördert den Austausch zum Thema familienfreundliche Personalpolitik und bietet für Ihre Mitglieder Veranstaltungen, Workshops und Newsletter an. Ziel ist es, konkrete Maßnahmen im Betrieb umzusetzen, mit denen sich Beruf und Familie besser in Einklang bringen lassen.

Birgit Rodler bekommt die Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Bayerische Wirtschaft verliehen

Laudatio zur Verleihung der Medaille

Sehr geehrte Frau Rodler,

als im Jahr 2008 Ihr damaliger Arbeitgeber Insolvenz anmelden musste, haben Sie, wie auch 40 weitere Beschäftigte Ihren Arbeitsplatz als Stickerin verloren. Doch Sie haben großen unternehmerischen Mut bewiesen.

Überzeugt von der Wettbewerbsfähigkeit der Produkte, haben Sie, als treibende Kraft, gemeinsam mit Ihrer Schwester, Ihrer Großcousine und einem Geschäftsführer umgehend die Firma AFW Creativ Stickerei gegründet. Mitten im Krisenjahr 2009 haben Sie mit Ihren Kolleginnen unter Einsatz sämtlicher Ersparnisse und Hingabe Ihrer Wohnhäuser als Sicherheit die Insolvenzmasse Ihres alten Arbeitgebers erworben.

Um Aufträge zurückzugewinnen und zu halten, musste es schnell gehen, und so haben Sie übergangsweise die Produktion von Abzeichen, Fahnen und Wimpeln in der heimischen Garage aufgenommen.


Durch eine geschickte Nischenstrategie haben Sie den Weg aus der Krise gemeistert. Ihre Produkte sind weltbekannt. So stellen Sie für jedes Länderspiel der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Übergabewimpel her, fertigen neben den offiziellen Wimpeln des Deutschen Fußballbundes hochwertige Karnevalsmützen und handbestickte Fahnen. 80 Prozent der reich vezierten Mützen der Kölner Karnevalsvereine stammen aus Ihrer Stickerei.

Sie haben mit Erfolg auf Qualität und gute Handwerkstradition gesetzt, 23 heimische Vollzeitarbeitsplätze geschaffen und damit auch vielen Ihrer ehemaligen Kolleginnen wieder eine berufliche Perspektive im oberfränkischen Marktleugast und in Grafengehaig eröffnet. Mit hohem sozialen Verantwortungsbewusstsein führen Sie Ihr Unternehmen partnerschaftlich und familienfreundlich.


Sehr geehrte Frau Rodler,

inbesonderer Anerkennung Ihres mutigen, Vorbild gebenden und außerordentlichen engagierten unternehmerischen Wirkens freue ich mich, Ihnen heute für Ihren Beitrag zum Wohle Ihrer oberfränkischen Region die Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Bayerische Wirtschaft verleihen zu können.

Der Bayerische Rundfunk berichtete in der Sendung "Lebenslinien" über unsere Firmengründerin Birgit Rodler

AFW Creativ-Stickerei erreicht das Finale des Staatspreises „Sieger 2012“

so berichtete die Presse:

Die bayerische Staatsregierung zeichnet die AFW Creativ-Stickerei als  Vorreiter für Chancengleichheit aus. Der Handwerksbetrieb aus Marktleugast ist einer der 17 Finalisten des Wettbewerbs „Sieger 2012“.

 Zum zweiten mal ehrte das bayerische Arbeits- und Familienministerium Unternehmen im Freistaat, die für gerechte Chancen in der Arbeitswelt einstehen. Der mit 20 Mitarbeitern kleinste Betrieb unter den Finalteilnehmern war die AFW Creativ-Stickerei. Die Textilmanufaktur aus dem Frankenwald ist eine von drei oberfränkischen Firmen, die zur Preisverleihung nach München eingeladen wurden.

Eine Jury, bestehend aus Vertretern der Regierung, des Arbeitgeberverbandes und der Gewerkschaft hatten zuvor AFW in Marktleugast besucht und in den Kreis der Finalisten erhoben. Mit dem Preis will die Staatsregierung Unternehmen auszeichnen, die sich in besonderer Weise um die Chancengerechtigkeit für Frauen und Männer im Erwerbsleben einsetzen.

"Als kleinerer Betrieb ist es natürlich schwieriger, in einem Wettbewerb gegen Großunternehmen zu bestehen", sagt AFW-Geschäftsführerin Birgit Rodler. Unter den 17 bayerischen Finalteilnehmern waren unter anderem Adidas, die Deutsche Telekom und Bosch.

Projekte wie eine Kinderkrippe lassen sich nur in einem Konzern verwirklichen, meint Rodler. Dafür will AFW in anderen Bereichen soziales Engagement zeigen und beispielsweise älteren Arbeitnehmern eine Chance bieten. Unter den 20 Beschäftigten der Stickerei sind allein neun Mitarbeiter über 50 Jahre alt. Zudem arbeiten bei AFW eine Schwerbehinderte, sowie eine Mutter, die branchenfremd nach acht Jahren Elternzeit eingestellt wurde und im Betrieb nun eine flexible Teilzeitbeschäftigung ausübt.

"Diese Dinge sind für uns eigentlich selbstverständlich", sagt Birgit Rodler. Umso mehr freut sie sich über die Auszeichnung für ihre gelebte Firmenphilosophie. Dennoch sieht sie längst nicht überall die Chancengleichheit im Unternehmen hergestellt. "Eigentlich bräuchten wir eine Männerquote", scherzt die Chefin. Die Geschäftsführung, bestehend aus vier Frauen, ist nämlich zu 100 Prozent weiblich.

Unter den 20 Mitarbeitern der Creativ-Stickerei sind vier Männer, was in der Textilbranche nicht selten ist. "Wir würden ja gerne qualifizierte Kräfte einstellen. Aber es ist nicht einfach", sagt Rodler. Seit drei Jahren sucht AFW einen Auszubildenden. Obwohl die Textilfachschule in Münchberg in unmittelbarer Nähe ist, wollen weder Mann noch Frau den Beruf des Stickers erlernen.

Die drei Bayern-Sieger, die aus den 17 Finalisten hervorgegangen sind, waren die Gebrüder Peters Gebäudetechnik GmbH aus Ingolstadt, die Adidas AG aus Herzogenaurach und IBC Solar AG aus Bad Staffelstein.

Birgit Rodler ist Unternehmerfrau im Handwerk 2011

Laudatio zur Urkundenverleihung

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

auch ich begrüße Sie herzlich zur Preisverleihung der Unternehmerfrau im Handwerk 2011.

Für die, die mich noch nicht kennen, mein Name ist Holger Externbrink. Ich bin Chefredakteur von handwerk magazin, der Zeitschrift, die seit über 20 Jahren den Preis für die Unternehmerfrauen im Handwerk ausschreibt.

Heute wollen wir wieder eine ganz besondere Dame auszeichnen. Ihr Name: Birgit Rodler. Lassen Sie mich Ihnen Frau Rodler vorstellen. Danach – da bin ich mir sicher – werden auch Sie überzeugt sein, dass Frau Rodler eine sehr gute Unternehmerfrau im Handwerk 2011 ist.

Heute ist Birgit Rodler Geschäftsführerin der AFW Creativ Stickerei in Marktleugast in Oberfranken.

Doch ihre Geschichte beginnt weit früher: 1977 nach dem Abschluss der Realschule machte Birgit Rodler eine Lehre als Bekleidungsnäherin bei der Firma Storchenmühle. Bis 1983 arbeitete sie in ihrem Ausbildungsbetrieb und wechselte dann als Stickerin zur Firma Meinel Fahnenfabrik.

Als ihr Gehalt nicht mehr regelmäßig kommt, ahnt sie, was ihr nach 20 Beschäftigungsjahren bei Meinel bevorsteht. Ein Zettel am schwarzen Brett bestätigt ihre Befürchtung: das Unternehmen ist insolvent. Kurz darauf erhält sie ihre Kündigung.

So wie die 45 anderen Beschäftigten der Fabrik. Alle zwischen 35 und 55 Jahre alt. Die Chancen auf einen neuen Job gleich Null. Denn das Leben im strukturschwachen oberfränkischen Marktleugast verwöhnt die Menschen wahrlich nicht: Arbeitsplätze sind knapp, die Jobs oft hart, Alternativen rar. „Das war eine schlimme Zeit“, erinnert sich Rodler später. „Mein Mann war in Kurzarbeit, mein Sohn gerade mitten im Studium. Die Existenzängste waren enorm“, so berichtete sie uns.
 
In einer Situation, in der andere unter der Belastung zusammenbrechen, unternimmt Birgit Rodler das, was sie schon als junge Frau mit einem kleinen Kind und zu wenig Geld in der Familienkasse getan hat: Sie verschiebt das Grübeln auf später, mobilisiert von Wer-weiß-woher ihre Kraftreserven und klotzt richtig ran.

Sie überzeugt ihre Schwester Sonja Oelschlegel und ihre Freundin Doris Rau, dass sie selber aktiv werden müssen. Sie, die bei ihrem alten Arbeitgeber als letzte Arbeiterin die Produktion abgewickelt hat, erwirbt – bestärkt durch Freunde und Familie – gemeinsam mit ihrer Schwester Sonja und Freundin Doris die Insolvenzmasse. Und die anderen vertrauen ihr. „Drei Familien haben ihre Häuser verpfändet und alles Ersparte in dieses Projekt gesteckt“, so Rodler.

Für einen Kredit bei der Sparkasse bekam die heute erfolgreiche Geschäftsfrau damals, im Krisenjahr 2009, nicht einmal einen Termin.

Doch Unternehmensgründung ist nicht leicht. Unterstützung erhalten sie schließlich bei den Aktivsenioren Bayern. Und weil zuerst einmal ein Firmenname her muss, einigen sich alle gemeinsam auf den Namen AFW Stickerei – das steht für Abzeichen, Fahnen, Wimpel. Die drei Frauen gründen also AFW Creativ-Stickerei GmbH.

„Ich wusste, die Kunden werden kommen, aber viele haben nicht so recht an uns geglaubt“, sagt sie heute. „Die Motivation war zwar hoch, aber keine der neuen Geschäftsführerinnen hatte wirklich Erfahrung in der Unternehmensgründung“, sagte sie. Und fremde Geschäftsführer, die zwar den Profit kennen, aber nicht die Plackerei an den Maschinen, will sie nicht. Einen Bezug zur Handarbeit und die Liebe zum Werk sind ihr wichtiger als ein weltmännisches Auftreten.

Doch Birgit Rodler wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht ihre Beharrlichkeit einsetzen würde: Die Betriebsübernahme ist noch nicht einmal beschlossene Sache, als sie bei den Großkunden ihres ehemaligen Arbeitgebers vor der Tür steht und für ihr zukünftiges Unternehmen wirbt. Heim kehrt sie mit einer Tasche voller Aufträge.

Weil in den Wirren der Übernahme ein Firmengebäude fehlt, starten die Frauen übergangsweise so wie andere erfolgreiche Gründer nach dem Zweiten Weltkrieg: in der heimischen Garage. „Zwei Einkopf-Stickautomaten haben wir bei uns zu Hause aufgestellt und dann habe ich zwei Wochen lang kein Tageslicht gesehen“, so Rodler.

Produktionsausfälle kann sich das junge Unternehmen nicht erlauben, auch wenn es erst später in größere Räume umziehen kann. Als Mitarbeiter stellt Birgit Rodler Menschen ein, die sie schon lange gut kennt: ihre alten Kollegen. Alle zwischen 40 und 60 Jahre alt und damit in einem Alter, in dem der Arbeitsmarkt nicht mehr viele Möglichkeiten für einen Jobwechsel bietet. Und so passiert an etlichen Abenden im oberfränkischen Marktleugast das kleine Wunder, das älteren Arbeitslosen in Deutschland viel zu selten passiert: Das Telefon läutet und eine freundliche Stimme am Ende der Leitung fragt: „Magst Du bei mir anfangen?“

Seit der Gründung konnte die Firma auf inzwischen auf 20 Beschäftigte in Vollzeit wachsen und einen Jahresumsatz von 820.000 Euro erwirtschaften.

Durch geschickte Nischenpolitik im Produktportfolio meistert Frau Rodler den Weg aus der Krise. Sie festigt ihre Position im Markt gegenüber vielen osteuropäischen und fernöstlichen Konkurrenten gefestigt.

Rodler und ihre Stickerinnen haben sich eine kleine aber feine Nische im Markt ausgesucht. Sie stellen für jedes Länderspiel der Fußball- Nationalmannschaft die Übergabewimpel her. Zusätzlich zu den offiziellen Wimpeln des Deutschen-Fußball-Bundes produzieren sie hochwertigen Meinel-Karnevalsmützen und handbestickten Fahnen.

Die Meinel-Mützen sind mittlerweile Marktführer in Deutschland und beliefern 2000 Karnevalsgesellschaften jährlich. Die Fertigung von Vereinsfahnen und Standarten stellt eine Besonderheit dar durch handgeführte Stickerei und Konfektion in der eigenen Näherei. Auch die Abteilung Automatenstickerei ist für die Abwicklung von Kleinaufträgen wie Bestickung von T-Shirts, Berufskleidung, Ärmelabzeichen usw. bestens gerüstet. „Statt auf billige Ware setzen wir aus Tradition auf hochwertiges Handwerk“, sagt Rodler. Damit schlagen die Oberfranken auch die Billligkonkurrenz aus dem Rennen. 80 Prozent der reich verzierten und bis zu 400 Euro teuren Mützen für die Mitglieder der Kölner (!) Karnevalsvereine kommen von AFW.

Obwohl der kleine Betrieb in Marktleugast bei Kulmbach keine Unsummen für Werbung oder Marketing ausgibt, sind die Produkte der AFW Creativ Stickerei inzwischen weltbekannt bekannt.

Birgit Rodler ist als treibende Kraft in der Geschäftsführung viel auf Messen, Ausstellungen, Vereinstreffen und den Maestro-Handwerks-märkten in Oberfranken unterwegs, um Kundenkontakte zu knüpfen. Mit Erfolg, denn sie lässt nichts unversucht um auf die Firma aufmerksam zu machen. Ihre Hauptaufgabengebiete sind die Öffentlichkeitsarbeit, Budgetplanung, Kundenakquise und die Leitung der Stickerei.

Vor allem ihre unglaublich freundliche Art kommt bei den Kunden sehr gut an, berichten Geschäftspartner. Aber auch an der Maschine ist Frau Rodler selbst noch oft zu sehen.  Sie, die Geschäftsführerin, näht, stickt und ist sich für keine Arbeit zu schade. Sich selbst sieht sie als Vorbild für ihre Mitarbeiter. Deshalb steht sie morgens um fünf Uhr als Erste am Stickautomaten, geht abends als Letzte heim und führt ihren Betrieb mit Tatkraft, Verstand und Herzlichkeit.

Trotz gut gefüllter Auftragsbücher sind Birgit Rodler, Doris Rau, Sonja Oelschlegel und Seniorenberater Bernhard Schubert sich selbst treu geblieben. In ihrer oberfränkischen Heimat verwurzelt, ihren Mitarbeitern gegenüber loyal und mit traditionellen Werten geht es ihnen nicht um riesige Gewinnmargen. Sie sind froh, wenn das Geschäft gut läuft und sie ihren Mitarbeitern eine sichere Zukunft bieten können. „Unser Erfolgsrezept ist Sparsamkeit und ein sehr persönliches Verhältnis zu unseren Mitarbeitern und Kunden“, sagt Rodler.

Frau Rodler, ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zum Preis „Unternehmerfrau im Handwerk 2011“! - Bitte kommen Sie auf die Bühne.

Bericht handwerk magazin

Stickerin führt insolvente Fahnenfabrik zu internationalem Erfolg! Birgit Rodler heißt die Unternehmerfrau im Handwerk 2011. Sie ist Geschäftsführerin von AFW Creativ Stickerei aus Marktleugast in Oberfranken. mehr...

Film von handwerk magazin zeigen...

Großer Preis des Mittelstandes

Laudatio zur Urkundenverleihung

Während andere diskutieren, sticken wir längst! Ausrufezeichen. Kann man deutlicher werden, wie gerne man arbeitet? Während andere diskutieren, sticken wir längst! Das muss die AFW Creativ Stickerei auch, denn ihr Betätigungsfeld ist schon beinahe unüberschaubar. Aber jeder Erfolg hat eine Vorgeschichte und die Geschichte von AFW ist eine der im besten Sinne merkwürdigsten.

Was, wenn Teile der Belegschaft einer Firma nach ihrem Niedergang daran glauben, dass nicht alles schlecht war und dass das vormalige Betätigungsfeld wiederbelebt werden könnte? Das genau ist passiert. Mit der Folge, dass ehemalige Mitarbeiterinnen nun selbst Chef wurden. Von da an begann ein mühseliger aber letztlich siegreicher Kampf um die Rückgewinnung der Kunden, die abgesprungen waren, die sich nach anderen Lieferanten umgesehen hatten. Die Qualität des neuen (alten?)Betriebs bewog sie bald zu einer Rückkehr. 20 Arbeitsplätze konnten so erhalten werden und heute ist das Unternehmen für den renommiertesten deutschen Mittelstandspreis nominiert.

Immer mehr Kunden setzen auf das Konzept von AFW Creativ Stickerei: von Kleinstauflagen und Einzelanfertigungen bis zu großen Stückzahlen kann die gesamte Palette der Anfragen mit kostengünstigen Angeboten versorgt werden. Kleine Information am Rande: Bei der Fußball-WM im vergangenen Jahr war die Firma AFW Lieferant der DFB für die Wimpel, welche bei den Spielen der Deutschen Elf in Südafrika zwischen den Mannschaften ausgetauscht wurden.